Beeindruckendes Kirchenkonzert

Mit der „Festlichen Intrade“ von Dieter Wendel und dem „Divertimento“ von Joseph Haydn gelingt dem evangelischen Posaunenchor unter der Leitung von Dieter Schmerler ein fulminanter Auftakt zum Kirchenkonzert in der katholischen Kirche St. Josef Weisendorf. Das Kammerorchester Höchstadt unter der Leitung von Rüdiger Kaufmann glänzt mit der „Sinfonie in e-Moll“ op. 8/6 von Ignaz Pleyel mit den Sätzen „Allegro – Andante – Finale“ sowie mit dem „Andante und Rondo“ op. 25 von Albert Franz Doppler, das für zwei Flöten und Orchester komponiert ist.
Besonders hervorzuheben sind die beiden Arien für Sopran, Violine, Flöte und Basso Continuo HWV 202-210 von Georg Friedrich Händel. Sowohl die Texte der beiden Händel-Arien (Arie Nr. 6 „Meine Seele hört im Sehen“ und Arie Nr. 5 „Singe Seele, Gott zum Preise“) als auch Händels Vertonung spiegeln den Zeitgeist des beginnenden 18. Jahrhunderts wider, das Ende des Barock und den Beginn der Aufklärung. Der Mensch entdeckt in der in sich ruhenden Schönheit der Natur die Spur Gottes und dankt dem Schöpfer mit Lob und Preis, mal heiter-fröhlich, mal innig-kontemplativ.
Brilliant gesungen wurden die Händel-Arien von der Sopranistin Claudia Stollenwerk-Schmitt, begleitet von Rita Hornung am Cembalo, Henrike Fröhlich mit der Querflöte und Jesko Fröhlich mit der Violine.
Die in Gelsenkirchen geborene Sopranistin überzeugte mit der leuchtenden Schönheit ihrer Stimme. Claudia Stollenwerk-Schmitt studierte Gesang an den Konservatorien in Würzburg und Nürnberg. Daneben absolvierte sie ein Diplomstudium im Fach Elementare Musikpädagogik. 1997 erhielt sie ein Stipendium der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth. In den Jahren 1999 und 2000 setzte sie ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Nürnberg/Augsburg fort und schloss mit der staatlichen Musikreifeprüfung ab. In der Spielzeit 2000/2001 hatte sie ein Engagement an den Städtischen Bühnen in Nürnberg. Bis zu ihrer Elternzeit 2008 war sie als Dozentin für Gesang an der Hochschule für Musik Würzburg beschäftigt. Seitdem ist sie als freiberufliche Sängerin, Dozentin und Lehrerin tätig.
Henrike Fröhlich gewann in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mit der Querflöte den zweiten Platz.
Der Katholische Kirchenchor Weisendorf führte von Wolfgang Amadeus Mozart die Motette „Ave verum corpus“ KV 618 sowie die „Missa brevis et solemnis“ in C, KV 220 auf. Der Text der Motette beinhaltet die Verehrung der Eucharistie in der heiligen Messe. Das Gebet mündet in die Bitte um den Empfang der Kommunion in der Todesstunde als Vorgeschmack des Himmels. Die am Ostersonntag 1776 im Salzburger Dom uraufgeführte Messe wurde unter dem Namen „Spatzenmesse“ bekannt. Diesen Namen verdankt sie nicht zuletzt den einprägsamen Violinfiguren im „Hosanna“ des „Sanctus“ und „Benedictus“, die an Vogelgezwitscher erinnern. Das Thema des „Kyrie“ wiederholt sich im „Dona nobis pacem“ des „Agnus Dei“ und rundet damit die Komposition ab. Als „Missa brevis“ ist die „Spatzenmesse“ einerseits relativ kurz gehalten, andererseits ist sie aber als „Missa solemnis“ mit Trompeten und Pauken festlich besetzt. Das kommt daher: Mozart stand in den Diensten des Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo. Dieser legte in einem Erlass fest, dass Messen mit den Teilen „Kyrie-Gloria-Credo-Sanctus und Benedictus-Agnus Dei“ nicht länger als eine dreiviertel Stunde dauern dürfen, was bei der Spatzenmesse mit einer Dauer von ca. 20 Minuten zutrifft.
Mit der „Spatzenmesse“ wagte sich der Laienchor an ein anspruchsvolles Werk. Die intensiven Proben forderten von jedem einzelnen sehr viel Zeit und Disziplin. Die Instrumentalbegleitung durch Rita Hornung und Dr. Detlev Jannsen unterstützte den Chor bei den Proben sehr hilfreich. Das Ergebnis spricht für sich: Die Sängerinnen und Sänger bewältigten selbst schwierige Stellen mühelos. Der Chor überzeugte mit großer Klangfülle, locker gesungenen Koloraturen und einfühlsamen Piano-Stellen. Dem Chor stand mit Claudia Stollenwerk-Schmitt (Sopran), Silke Kraus (Alt), Georg Schlee (Tenor) und Edmund Burger (Bass) ein beeindruckendes Solistenquartett zur Seite.
Zum guten Gelingen trugen das Kammerorchester Höchstadt, die Trompetenspieler des evangelischen Posaunenchors sowie wesentlich Rüdiger Kaufmann bei, der die Partitur überarbeitete und die Einstudierung der Orchesterbegleitung übernahm. Das Zusammenwirken aller beteiligten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten und Solisten führte zu einer außergewöhnlichen Aufführung.
Wie schon zum 30jährigen Jubiläum des Katholischen Kirchenchors Weisendorf im Jahr 2012 gelang Gabriele Lommer, die für die Gesamtleitung verantwortlich zeichnete, wieder ein überaus beeindruckendes und überzeugendes Kirchenkonzert.