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Gedanken zum Wirken des Heiligen Geistes - auch nach Pfingsten

Pfingsten
Datum:
Veröffentlicht: 1.6.20
Von:
Pfr. Johannes Saffer

„An Pfingsten sind die Geschenke am geringsten“, sagt ein Sprichwort. Und bei einer Umfrage habe ich erst wieder gehört, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft, durchaus auch Christen, mit diesem Hochfest des Kirchenjahres nicht viel anfangen können.

Weihnachten, die Geburt Jesu, und Ostern, seine Auferstehung sind da greifbarer, auch durch die vielen Bräuche, die es gibt. Aber der Heilige Geist ist eben nicht sichtbar, greifbar, man kann ihn allenfalls erahnen oder erspüren, z.b. den „guten Geist“ einer Gruppe, wo ein gutes Miteinander herrscht, oder den „Ungeist“ des Egoismus, den es leider auch heute zu genüge gibt.

Deshalb kann es hilfreich sein, den Geist Gottes mit Bildern und Gegenständen „sichtbar“ zu machen, wie es Lukas in der Apostelgeschichte bei der Erzählung des Pfingstwunders gemacht hat.

Zuerst muss ein Sturm alles wegblasen, was die Jünger einengt, sie ängstigt, ihre Trauer und alles was ihren Blick auf Gott verstellt. Dann kann der Heilige Geist kommen, sie be-geist-ern, wie mit Feuerzungen, dass sie Feuer und Flamme sind von und für Jesu Botschaft. Dann haben sie plötzlich Mut und Zuversicht, sie trauen sich jetzt, den Menschen vor ihrer Tür die Frohe Botschaft, das Evangelium zu verkünden – weil sie nun von Gott, vom auferweckten Jesus begeistert sind.

Drei Bilder und Symbole können auch uns heute das Wirken des Heiligen Geistes vor Augen führen:

  • Ein Feuerzeug braucht (unsichtbares) Gas, damit es zünden kann. Der Heiliges Geist lässt in uns zündende Gedanken, Geistesblitze, Idden und Mut zu neuen überraschenden Wegen entstehen. Mit ihm ist wie bei den Aposteln am Pfingsttag vieles möglich, auch in unserer Zeit, gerade auch in Krisen, wie dieser. Ohne diesen Geist bleibt unser Reden und Handeln letztlich geistlos, dann zündet nichts.
  • Mit einem Salzstreuer würzt man, gibt den Speisen Geschmack. Jesus sagt uns, dass wir das Salz der Erde sind. Damit wir der Welt Geschmack geben können, sendet er uns den Heiligen Geist. Der ist es, der jede und jeden von uns mit Gaben beschenkt, mit Fähigkeiten und Talenten, der Kräfte wirkt und Dienste wachsen lässt, wie es Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther schreibt. Indem wir diese Gaben entdecken, entfalten und in die Gemeinschaft und Gesellschaft einbringen, geben wir ihr Würze und Geschmack.  Dann darf ich auch nicht mehr sagen: Die Kirche, die Gemeinde müsste dies oder das tun, sondern zuerst fragen, was ich als Christ tun kann. Die Kirche wie die Gesellschaft leben daraus, dass Menschen ihre Fähigkeiten einbringen. Zugleich muss man mit einem Salzstreuer aber auch aufpassen, die Suppe nicht zu versalzen. Es braucht auch das richtige Empfinden, damit andere mit und neben mir auch mitwürzen können, d.h. nicht nur meine Interessen durchzusetzen und nicht nur mich in den Mittelpunkt zu stellen. Der Heilige Geist ist wie das Salz, ohne das kein Essen schmeckt. Ein überzeugtes und überzeugendes Christsein kann Gemeinden, Kirche, Gesellschaft und Welt die richtige Würze geben – doch ohne Gottes Geist bleibt es geschmacklos, und Geschmacklosigkeiten erleben wir ja leider immer wieder.
  • Eine Stimmgabel gibt einen Ton, an dem sich Musiker ausrichten,  wenn sie ihre Instrumente stimmen, oder mit dem ein Chor seinen Anfangston findet. Der Heilige Geist lässt uns, wie eine Stimmgabel, den richtigen Ton finden im Umgang mit unseren Mitmenschen. Wenn man meint, ohne die anderen Menschen auszukommen, wie schnell redet man dann aneinander vorbei und irgendwann gar nicht mehr miteinander. Wie verletzend kann ein Wort sein und manchmal auch schon die Tonlage,  mit der man es sagt. Gottes Geist lässt uns den richtigen Ton im Verhältnis zu unseren Mitmenschen finden: das Wort der Vergebung, des Trostes, der Hoffnung, des Mutmachens und manchmal vielleicht auch der Mahnung. Ohne diesen Geist bleiben wir sprachlos, stimmlos, nur mit ihm bleiben wir im Gespräch, finden wir das Wort, den Ton des Friedens.

Feuerzeug, Salzstreuer und Stimmgabel können uns heute daran erinnern wie der Heilige Geist in uns wirken will: Feuer und Flamme für Jesu Botschaft zu sein, mit unseren Begabungen der Kirche und Gesellschaft Geschmack zu geben und den richtigen Ton im Umgang miteinander zu finden und zu treffen.

Komm Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer deiner Liebe, lass uns die richtige Würze für das Leben sein und den richtigen Ton im Umgang miteinander finden!

(Nach einer Idee von Sebastian Braun)

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