Gottesdienst zum 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils

Am sechsten Sonntag der Osterzeit fand in unserer Pfarrkirche eine Familienmesse zum 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) statt. Dabei wurde von dem Vorbereitungsteam Geiler-Grüner auf Texte und Elemente der Vesper zum Auftakt der Feierlichkeiten im Dekanat Erlangen im vergangenen Oktober zurückgegriffen.
Um zu veranschaulichen, welche konkreten Änderungen die Reformen des Konzils für die Gläubigen bedeuteten, begann der Gottesdienst nach vorkonziliarem Muster: Einzug in den alten Gewändern, die in der Pfarrei noch vorhanden waren, nur mit männlichen Ministranten und zu feierlicher Orgelmusik. Die Eröffnung erfolgte auf Lateinisch, der Priester stand mit dem Rücken zur Gemeinde.
Bevor es in diesem Stil weitergehen konnte, erhob sich Einspruch: Claudia Grüner wies in ihrer Einführung im Dialog mit Pfarrer Lars Rebhan auf die inzwischen erfolgten Veränderungen hin und sorgte dafür, dass nun die Messe nach der neuen Liturgie und mit Ministrantinnen fortgeführt wurde. Natürlich wurde auch die Musik moderner, das Evangelium in der Sprache von Albert Kammermayer verlesen, ein Anspiel mit Hans Kreiner als Papst Johannes XXIII und Volker Lansmann als Kardinal Ottaviani aufgeführt, bei dem symbolisch ein Fenster aufgestoßen wurde, um frische Luft in die katholische Kirche zu lassen.
Dass es damit nicht getan ist, dass die katholische Kirche diesen Weg weitergehen muss, wurde in der Predigt und in den daran anschließenden 13 Träumen von Kirche deutlich:
13 Träume von einer Kirche (frei nach P. Roman Bleistein)
Ich träume von einer Kirche, der die alltägliche und selbstlose Liebe wichtiger ist als die Lehren aus dem Katechismus und die Normen des Kirchenrechts.
Ich träume von einer Kirche, die nicht immer auf die Antworten aus Rom wartet, sondern sich auf den schöpferischen Geist verlässt, der allen Christen, Männern und Frauen, gegeben ist.
Ich träume von einer Kirche, die die Gleichheit aller Christen durchsetzt, die Würde der Frau sichtbar macht und ihnen den Zugang zu allen Ämtern in der Kirche nicht länger verwehrt.
Ich träume von einer Kirche, die sich aller Menschen annimmt und Erbarmen zeigt: den Verzweifelten, Gestrauchelten und Verlorenen, … aber auch wiederverheirateten Geschiedenen.
Ich träume von einer Kirche, die in der Verkündigung und in der Feier der Liturgie eine verständliche Sprache spricht.
Ich träume von einer Kirche, die weder im Vatikan noch in den Ordinariaten meint, meinen Glauben bevormunden zu müssen.
Ich träume von einer Kirche, die die Gemeinschaft in der Ökumene sucht und das Trennende überwindet, alle zum heiligen Abendmahl einlädt.
Ich träume von einer Kirche, die mir hilft, Mauern zu überspringen, die mit mir lachen und trauern kann, die mein Leben segnet.
Ich träume von einer Kirche, die dient, wie Jesus sagt.
Ich träume von einer Amtskirche, die weiß, dass Autorität mit Liebe übersetzt werden muss und dass Amt nichts anderes als Dienst meint.
Ich träume von einer Kirche, die sich von unten aufbaut, die Kritik zulässt und sich damit auseinandersetzt.
Ich träume von einer Kirche, die aus der Kraft des Heiligen Geistes die Spannungen aushält, die Konflikte bearbeitet und mit allen gemeinsam einen Weg der Liebe sucht und sich weisen lässt.
Ich träume von einer Kirche, die mich am Ende meines Lebens begleitet und mir in meinen letzten Atemzug hineinruft: Du wirst ewig leben.
Fürbitten und Meditation nach der Kommunion griffen diese Ideen auf, sodass die Gottesdienstbesucher einen Gottesdienst erleben konnten, in dem nicht nur das Erreichte gewürdigt wurde, sondern auch auf die dringend anstehenden weiteren Reformen hingewiesen wurde.
Ute - Christine Geiler

