Kar- und Ostertage in St. Josef

Kaplan Christian Wohlfahrt gestaltete die Gottesdienste und Feiern in der Heiligen Woche von Palmsonntag bis zur Osternacht in besonderer Weise. Mit der Messe am Gründonnerstag – der mit „grün“ gar nichts zu tun hat, wie der Kaplan erläuterte und auf die ursprüngliche Bedeutung der Wortwurzel „greinei“ – der weinende Donnerstag hinwies – begann der große Gottesdienst in drei Teilen. Den Mitwirkenden im liturgischen Dienst wusch Kaplan Wohlfahrt symbolisch die Hände. Orgel und Glocken verstummten nach der Erinnerung an das Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern. Am Ende wurde in feierlicher Prozession das Allerheiligste in den kleinen Nebenaltar gebracht. Nach dem Gottesdienst folgten die Anbetungsstunden der Ölbergwache. Die Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu am Karfreitag wurde vom Kirchenchor mit dem Gesang zur Passion in besonderer Weise umrahmt. Zur Kreuzverehrung legten die Gläubigen Blumen nieder.
Am Abend des Karsamstags wurde das Osterfeuer im Kirchhof entzündet und viele Besucherinnen und Besucher kamen zur Osternacht in die Kirche. Der leere Altar und der offene und leere Tabernakel lagen im Dunkeln, als draußen die neue Osterkerze geweiht und entzündet wurde. In feierlicher Stille zogen die elf Ministranten mit Kaplan Wohlfahrt mit der Osterkerze in die Kirche ein und nach den Rufen „Lumen Christi“ wurde das Licht der Osterkerze immer weiterverbreitet, bis die ganze Kirche von Kerzenlicht erfüllt wurde.
„Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?“
Gemäß der jüdischen Tradition mit der Frage des jüngsten Kindes beim Pessachmahl „Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?“ stelle ein Ministrant im Gottesdienst bei den verschiedenen Teilen immer wieder diese Frage. Kaplan Wohlfahrt antwortete jeweils mit einer kurzen Erklärung zur Symbolik in der Osternacht – warum es beispielsweise die verschiedenen Lesungen von der Erschaffung der Welt und dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten bis hin zu einem Brief des Apostels Paulus gab sowie weitere Besonderheiten. Das unbegreifliche Geschehen der Auferstehung in der Osternacht kann nur versucht werden, durch Bilder und Symbole zu veranschaulichen.
In seiner Predigt gab er eine Hausaufgabe auf, um Auferstehung auch im täglichen Leben immer wieder zu feiern – mit einer freundlichen Geste jemand anderem gegenüber oder einem Angebot der Versöhnung, jemanden zu besuchen oder zu trösten. Das, was wir in dieser Nacht feiern, ist im Kern so ungreifbar, unbegreiflich, dass es nur in Bildern und Symbolen veranschaulicht werden kann. In der Finsternis, im Osterfeuer, in der Osterkerze, in schönen Blumen, im Singen, im Halleluja und Glocken läuten. In Ostereiern, Lämmern, im gemeinsamen Mahl und schließlich auch in Osterhasen, Schokolade und hoffentlich einem schönen Familienfest unter den gegenwärtigen Bedingungen. Alles gehört dazu, um auszudrücken, was man sich nicht ausdenken kann, sondern was uns gesagt werden muss: Dass Jesus von den Toten auferweckt worden ist.
Nach der Weihe des Wassers folgte die Taufe eines Jungen, der vom Kaplan als Zeichen für die Taufe anschließend einen weißen Schal erhielt sowie ein kleines Geschenk.
Diese Feier der Osternacht war ein besonderes Erlebnis. Kaplan Christian Wohlfahrt bedankte sich am Ende des langen und kurzweiligen Gottesdienstes bei den verschiedenen Gruppen, die die Feierlichkeiten der Karwoche bis Ostern so wunderbar mitgestaltet hatten – das Kinder- und Familiengottesdienst-Team, die Musikgruppen von Schola über Kirchenchor bis hin zum „Voice of joy“-Chor mit Band sowie Lektoren, Kommunionhelfer und besonders Mesner in ihren Diensten und bei den vielen Ministrantinnen und Ministranten, die mit dem Kaplan die Gottesdienste geprobt hatten. Mit viel gemeinsamen Einsatz waren es ganz besondere Kar- und Ostertage in diesem Jahr!
Schließlich verabschiedete Kaplan Wohlfahrt alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nach dem Segen mit einem Lachen über den traditionellen Osterwitz hinaus in die frohe Osternacht zur Agape auf dem Kirchhof. Dort wünschten sich zahlreiche Gäste dank dem Vorbereitungsteam bei kleinen Häppchen, Wein und natürlich Ostereiern „Frohe Ostern“ – „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!“