Sr. Teresa Zukic zu Gast beim Besinnungs-Nachmittag der Caritas im Edith-Stein-Haus

Es war der Besinnungsnachmittag der Weisendorfer Senioren, seit Jahren ausgerichtet von der Caritas im Edith-Stein-Haus. Diesmal konnte ein besonderer Gast gewonnen werden, Sr. Teresa Zukic aus der Pfarrei Herz Jesu in Pegnitz, der ehemaligen Wirkungsstätte von Pfr. Lars Rebhan in seiner Kaplan-Zeit. Es kamen zahlreiche Senioren aus Weisendorf, beider Konfessionen, auch viele Zuhörer aus Hannberg und Großenseebach, die sich Sr. Teresa nicht entgehen lassen wollten. Die FAZ schrieb einmal, sie sei die deutsche Antwort auf „Sister Act“.
Bekannt wurde die ehemalige Leistungssportlerin - Landesmeisterin im Turnen und Fünfkampf – als „skateboardfahrende Nonne“, seinerzeit von Schreinemakers entdeckt. Danach konnte sie sich nicht mehr „retten“: Talkshow bei Beckmann, Gastreferentin bei Manager-Seminaren, so vor Führungskräften von OBI und Vorwerk und auf Wirtschaftstagungen. 30.000km fährt sie im Jahr. Bei Pilawa gewann sie zusammen mit ihrem Pfarrer Reus € 100.000,-, Geld, dass sie dringend für die Jugendarbeit, der sie mit Lieb und Seele verfallen ist, in der Pfarrei benötigte. Dort hat sie einen inzwischen weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannten Chor mit Band, sie schrieb 9 Musicals und füllt damit mühelos Säle. Das letzte, „Paulus“, wird auch auf dem ÖKT aufgeführt. Sie kocht leidenschaftlich gerne, malt, rappt und initiert Kirchenfestivals. 2004 erhielt sie den Kulturpreis für Musik und Gegenwartsliteratur.
Dabei war der 45-jährigen das alles nicht in die Wiege gelegt worden. Im Alter von 5 zog Ihr Vater mit der Familie von Kroatien nach Deutschland, um hier als Fußballspieler Geld zu verdienen. Mit 19 „schlug Gott dann zu“. Ihr fiel durch „Zufall“ eine Bibel in die Hand, die sie als Atheistin neugierig durchblätterte. Sie blieb bei der Bergpredigt hängen – und das war ihr Paulus-Erlebnis! Der „Rest“ war fast ein Selbstläufer. Sie wollte diese Kirche mit dem Jesus kennenlernen, der die grenzenlose Nächstenliebe predigte. Sie ging in die Kirche, erlebte ihre ersten Gottesdienste und ließ sich mit 25 im Rahmen einer Osterliturgie taufen. Statt Sport gab es Religions-Pädagogik, Arbeit in einem Kinderhaus und einer üblen Ecke in Frankfurt. Sie war im Kloster bei den Vincentinerinnen, bei den Barmherzigen Schwesternin Fulda, um dann nach Pegnitz zu gehen, wo sie vor 15 Jahren die „Kleine Kommunität“ gründete.
Ihr frei gehaltener Vortrag spiegelte dann auch viele Facetten ihres Lebens wider, von dem sie sagt, es sei ein Abenteuer. Wie gehe ich mit meinen Fehlern um, mit denen anderer und mit denen in der Gemeinde? Das war ihr Einstieg. Vor allem sei wichtig, was der Fehler aus mir mache. Sie erklärte den Unterschied zwischen Sünde und Fehler, die Sünde als bewusster Verstoß gegen die Liebe Gottes, der Fehler als eine Tat, die ich ungewollt begehe und ihn erst hinterher merke, aus dem ich aber lernen kann. „Menschen, die keinen Fehler machen, liegen auf dem Friedhof“, sagt sie. Nur, immer seien die anderen schuld, sagen die Menschen. „Hätte der nicht angefangen, hätte ich nicht…..“ In der Bibel steht aber: „Schlägt dir jemand auf die rechte Wange, halte ihm die linke hin“, ein Satz, den man nur verstehen kann, wenn man an die grenzenlose Liebe Gottes glaube. So wie Eltern sich in Ausschwitz für ihre Kinder geopfert hätten, so habe sich Christus für uns geopfert. Wir sollen befreiend mit Fehlern umgehen, Menschen und Schuld trennen. Nur verletzte Menschen können verletzen! Diese Erkenntnis mache es leichter, zu vergeben. Warum soll ich vergeben, fragt sie. Um mein Verhältnis zu Gott in Ordnung zu bringen – Du sollst 70 x 7 mal vergeben -, um seelisch gesund zu bleiben – leidet die Seele, wird der Körper krank-, und um ein Zeugnis für die Welt zu geben.
Nicht die Gesundheit sei das Höchste sondern „geliebt zu werden“. Wenn man liebe, sehr liebe, habe man Angst, dass der Mensch, den man liebt, von einem Regentropfen erschlagen werde. Sie habe aber eher den Eindruck, dass die Deutschen nicht richtig verliebt sein können. Und wie gehe ich mit den Fehlern in der Gemeinde um? Die Indianer sagen, „ehe du einen verurteilst, laufe 6 Monate in seinen Mokassins“. Wir seien Fehler suchend und nicht fehlerfreundlich, kritisieren eher als zu loben. Die Kirche werde nicht gut durch den Papst, die Bischöfe und die Priester sondern durch die Menschen, die in den Bänken sitzen. Die Kirche sei auch nicht schlecht, sondern nur nicht gut genug. Und dann gab es noch Hausaufgaben: zuhause den Partner – falls vorhanden – in die Arme nehmen, ihm einen Kuß geben und ihn von ihr grüßen. Und eine zweite Aufgabe: einen wildfremden Menschen anlächeln. Jeder Mensch hungere nach Zuwendung und Anerkennung. Wie Nietzsche schon sagte, „man sollte den Christen ansehen, dass sie Erlöste sind!“
Es gab einen langen und herzlichen Beifall, vom Caritasbeauftragten Paul Katona eine Orchidee und einen Boxbeutel als Dank und von den zahlreichen Buchkäufern der Wunsch nach einem Autogramm, den Sr. Teresa gerne und geduldig erfüllte.
Ortwin Fischer
Wer mehr über Sr. Teresa erfahren will:
„Na toll, lieber Gott“ St. Benno-Verlag ISBN 978-3-7462-2387-2

