Zur momentanen Diskussion um die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe aus der Bruderschaft St. Pius X.
Prof. Dr. Alois Baumgartner, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising
„Mit Sorge bewegen uns in diesen Tagen Entscheidungen aus Rom und deren Wirkung innerhalb der katholischen Kirche und im politisch-gesellschaftlichen Leben Deutschlands. Es entspricht unserem christlichen Glauben, dass die Kirche die Versöhnung sucht. Es ist auch nicht zu kritisieren, wenn sie dazu den ersten Schritt tut. Dieser Schritt verlangt aber von den Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius X., die die Gemeinschaft der Kirche verlassen haben, dass sie sich nicht nur dem Papst unterwerfen, sondern dass sie die ganze Lehre der Kirche und nicht zuletzt auch die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils akzeptieren und sich zu eigen machen. Für uns Christen wird dieser Schritt Roms dann umso verständlicher werden, wenn der Geist der Versöhnung und der Einheit nicht nur gegenüber traditionalistischen Kreisen zum Tragen kommt.“
Aus der Stellungnahme des Vorsitzenden der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, zur Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X.
„Darüber hinaus haben die vier Bischöfe und die Verantwortlichen der Pius-Bruderschaft vielfach deutlich gemacht, dass sie die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Beziehung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ vom 28. Oktober 1965 nicht beachten. Das Dekret von Kardinal Re spricht von noch offenen Fragen, deren Lösung in Gesprächen zwischen dem Apostolischen Stuhl und der Pius-Bruderschaft ansteht. Wir äußern die deutliche und große Erwartung und dringende Bitte, dass in den Gesprächen die vier Bischöfe und die Pius-Bruderschaft ihre Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil und insbesondere zur Erklärung ´Nostra Aetate´, deren Anliegen Papst Johannes Paul II. sich in seinem langen Pontifikat so beharrlich und segensreich zu eigen gemacht hat, unmissverständlich und glaubwürdig bekunden. Nach dem übergroßen Entgegenkommen des Papstes erwarten wir nun eine klare Aussage der Bruderschaft und ihrer Bischöfe insbesondere zu ´Nostra Aetate´.“